Brennnesseltasche

Mein erstes größeres Stück aus selbst gewonnener Brennnesselfaser! Geerntet, Fasern abgezogen, gekocht, gekämmt, versponnen und gehäkelt. Der grünere Teil sind ungekochte Fasern. Ich will mal sehen, wie sich diese beim Gebrauch und Waschen verändern. Keine Ahnung wie viele Stunden in diesem Teil stecken. Die Fasern waren noch sehr grob, da ich sie noch nicht optimal verarbeitet hatte, auch das Spinnen ging erst zum Schluss etwas schneller. Das Teil muss wahrscheinlich überall hin mit. Es tut so gut zu wissen, was man alles aus Pflanzen machen kann.

 

Schätze im Herbst

Heute hatte ich meine Kamera dabei und wieder einiges Schöne entdeckt. Der Oktober wird immer goldener, es ist nass und bei Sonne glitzert es. Eine besondere Brennnessel mit drei statt zwei Blättern pro Blattachse habe ich wieder gefunden, da freue ich mich immer total, kommt auch sehr selten vor! Einen Pilz von unten und dann habe ich weitere Brennnesselstängel für Fasern geerntet. Ich mache bald einen Kurs zur Fasergewinnung in der Schweiz, da will ich noch ein bisschen ausprobieren. Einen Teil will ich im Gras anrotten lassen und einen anderen Teil werde ich direkt verarbeiten. Mal sehen, wie sich die Fasern verändern.

 

Springkrautsamen essen

Bei meinem Herbstspaziergängen esse ich nun immer ein paar Handvoll Samen des Indischen Springkrautes (Impatiens glandulifera). Dazu fasse ich mit der Hand um die Samenkapseln, teilweise springen diese dann in der Hand auf, das kitzelt etwas. Ich mache mir die Arbeit nicht mehr, die Samen aus den Kapseln herauszusuchen, ich esse sie mit Stängel und Kapseln. Zumal ich nun gelesen habe, dass der ein wenig schleimige Pflanzensaft des Springkrautes die übermäßige Histaminausschüttung hemmt. Das kommt mir Zugute, da ich zu Rötungen im Gesicht neige, wenn ich zu viel Histamin im Körper habe. Man kann die weißen und auch die schwarzen Samen essen, sie sind sehr lecker, ähnlich der Walnuss. Man kann sie auch anrösten oder einfach so in Suppe, aufs Brot, in Salat geben. Das Springkraut als Einwanderer (Neophyt) war bei den Botanikern lange nicht beliebt, weil es sich sehr ausgebreitet hat. Nun erkennt man mehr und mehr die Vorzüge der Pflanze mit nektarreichen Blüten für die Bienen im Herbst und die gehaltvollen Samen für uns zum Essen. Ich glaube ja, die Pflanzen kommen zu uns, weil wir sie brauchen, wir sollten uns gerade die neuen Einwanderer anschauen, was sie uns anbieten. Die Wurzeln der Pflanze sind außerdem sehr schwach, ich habe schon beobachtet, dass zum Beispiel die Brennnessel das Springkraut in der Ausbreitung zurückdrängt. Die Blätter sind wenig bekömmlich, aber der Saft und Pflanzenbrei hilft bei Insektenstichen, Brennnesselquaddeln und Wiesendermatitits. Die Blütenessenz ist in „Rescue Tropfen“ der Bachblüten enthalten und hilft bei emotionaler Belastung, gegen Hektik und Ungeduld und innere Unruhe. Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem Himalaya, Name Gul-Mehndi bedeutet Pflanze für Körperbemalung, interessanterweise enthält sie den gleichen Farbstoff wie die Hennapflanze.

 

Kalenderblatt für den Oktober

Diesmal bin ich früh dran mit meinem Kalenderblatt. Da ich die nächsten Tage nicht dazu kommen würde, stelle ich es jetzt schon ein. Zum Herbst leuchten die Hagebutten. Hundsrose (Rosa canina) und Heckenrose (Rosa corymbifera) sind eigentlich unterschiedliche Arten der Rose, werden aber beide oft als Heckenrose oder Wilde Rose bezeichnet. Aber ich finde: Eine Rose, ist eine Rose, ist eine Rose ... . Für mich ist es immer wieder spannend, mir eine Pflanze so genau anzuschauen. Und durch das Beschreiben in Poesieform komme ich der Pflanze noch einmal näher. Ich bin dann immer selbst überrascht, was dabei herauskommt. Hagezussen wurden früher übrigens die alten Frauen genannt, die auf den Bauernhöfen an den Hecken saßen oder Kräuter suchten, also die Frauen mit Heilwissen und Zugang zur "Anderswelt", die schon selbst im Übergang sind und eine besondere Wahrnehmung haben. Die Hecken um die Gehöfte waren Schutzwall und Herberge der Ahnen zugleich. Später wurden die weisen Frauen zu Hexen diffamiert, weil sie den Mächtigen nicht geheuer waren.

 

Hagebuttenherzen

Da ich für den Monat Oktober das Kalenderblatt mit der Hagebutte zeichnen möchte, habe ich mir diese schon seit einiger Zeit genauer angeschaut. Heute ist es schön sonnig und die Früchte leuchten hellrot. Beim Anblick der Hagebutten, war mir wieder eingefallen, dass ich gelesen hatte, dass das Herzsymbol eigentlich ein Symbol zweier Herzen ist, die zusammen sind. Früher hatte ich mich schon gewundert, warum das so dargestellt wird, da das einzelne Organ gar keine Herz-Symbolform hat. Also Hagebutten stehen auch oft beieinander, ganz nah. Das passt, zumal die Wilde Rose oder Heckenrose für Liebe, Harmonie und Schönheit steht. Die Rose sorgt bei den Bachblüten dafür, dass man aus der Lethargie erwacht, wie Dornröschen aus ihrem Schlaf. Dafür sorgen auch die Dornen, man muss ganz schön aufpassen, beim Pflücken. Die Früchte sind sehr lecker, haben sehr viel Vitamin C, was man nun gut brauchen kann, wenn es Nachts kühler wird. Allerdings esse ich jetzt nur ein paar, sie werden noch viel süßer, dann mache ich sicher wieder Hagebuttenmus. Die haarigen Struwwelköpfe, die man manchmal an der Heckenrose findet, sind von der Rosengallwespe hervorgerufen. Im Inneren wachsen die Larven. Im Herbst ist die Natur besonders spannend, es gibt so viele Formen und Farben. Also diese Fotos ersetzten keinen Spaziergang, Wind, Duft und Blätterrauschen gibt es nur draußen!

 

Jetzt spinne ich total

Von den letzten Jahren hatte ich noch ausgekochte Brennnesselfaser unverarbeitet herumliegen. Damals hatte ich das mit dem Spinnen nicht so richtig hinbekommen. Mittlerweile weiß ich, dass ich dazu die Fasern noch besser vorbereiten muss. Also habe ich mir die Fasern noch einmal vorgenommen. Mit ein paar stacheligen Kardenköpfchen, die ich gefunden habe, habe ich die kurzen Fasern heraus gebürstet, alles in eine Richtung gelegt und noch weitere Holzreste entfernt. Wenn man das Faserbündel dann noch auf dem Bein etwas rollt, fällt auch noch so allerhand Kleinzeug heraus und die Fasern werden weicher. Nun habe ich mir meine Holzspindel genommen. Den Anfang mit den Fingern gedreht, diesen Faden an der Spindel verknotet und durch den Haken gezogen. Normalerweise nimmt man beim Spinnen erst einen Leitfaden, aber da man bei der Brennnessel gar nicht einfach den Faden so einziehen kann, habe ich mir das gespart. Aber nun ging es erstaunlich gut. Ein bisschen Drall in den Faden geben, Fasern ansetzen, eindrehen lassen, wieder Drall geben, Fasern ansetzen ... mein Faden wurde erstaunlich regelmäßig und fest. Mit der Zeit, bekomme ich das sicher auch noch besser und schneller hin. Ich mag ja auch die grünen, ungekochten Fasern. Diese sind etwas härter, aber die Farbe ist so schön und es wirkt so lebendig. Das ist auf jeden Fall für Bänder oder Täschchen geeignet. Es ist so spannend, wie aus einem Stängel, weiche Fasern werden. Da werde ich auf jeden Fall weiter experimentieren.

virtueller Kräuterspaziergang September

Gestern habe ich wieder einen Kräuterspaziergang veranstaltet. Obwohl der Wetterbericht sagte, die Regenwahrscheinlichkeit beträgt 0 Prozent für den Nachmittag, gab es dann einen kräftigen Schauer. Zum Glück hatten einige Regenschirme dabei und wir haben uns darunter zusammengedrängt. Zum Glück hat es dann bald aufgehört und es wurde noch sehr schön. Diesmal haben wir von den Pflanzen Wurzel, Kraut, Blüten und Samen betrachtet.  Es ist schon spannend im September, da man teilweise junge Pflanzen und auch die vertrockneten mit den Samenständen findet. Im September kann man also die Pflanzen besonders gut kennenlernen, da sie viele Aspekte zeigen. Wir haben wieder genau geschaut, geschnuppert, probiert und die Pflanzen berührt, damit wir sie mit allen Sinnen erfassen und somit besser erkennen. Es gab zum Probieren Salben, Brennnesselsamensalz und Brennnesselfrischpresssaft. Dann hatte ich ein paar Beispiele von Handarbeiten mit Brennnesselfaser dabei. Heute bin ich den Weg noch einmal gegangen und habe fotografiert, was mir unterwegs an schönen Formen und Farben aufgefallen ist. Es gibt noch viel zu ernten, auch wenn es meist zu nass ist, um die Pflanzen noch zu trocknen. Aber insbesondere die Schafgarbe wächst wieder sehr üppig und man kann sie direkt in die Badewanne geben, um zum Beispiel einer Erkältung vorzubeugen oder sich einfach etwas Gutes zu tun. Ein Schafgarbebad ist so entspannend und heilsam für Leber, Haut und Atemwege. Meine getrockneten Kräuter verwende ich erst, wenn ich nichts frisches mehr draußen finde. 

 

Brennnesselfasern herstellen

Heute habe ich noch einmal Brennnesseln für die Faserherstellung geerntet und die Schritte bis zu einem Freundschaftsband fotografiert. Mit den Kindern in der Ferienbetreuung hatte ich es letzte Woche auch ausprobiert. Ein Kind war total geschickt, ihr Band war ganz fein gesponnen. Andere wollten schnell aufgeben, weil der Faden beim Spinnen reißen kann, man braucht etwas Geduld und Übung. Für ein Band benötigt man eine oder zwei große Brennnesselstängel. Bei mir gibt es Exemplare von zwei Metern Höhe. Am Bach und Fluss wachsen sie besonders gut. Von der Brennnessel schneidet man die Seitentriebe ab. Ich habe dabei diesmal Handschuhe getragen. Sonst trage ich nie Handschuhe bei der Brennnesselernte, doch beim letzten Mal habe ich so viel Ameisensäure abbekommen, dass ich Nachts nicht schlafen konnte, da meine Hände immer noch kribbelten. Wenn man mit Handschuhen die Stängel abgestriffen hat, brennen diese auch nicht mehr. Nun werden die Fasern vom Stängel abgezogen, dazu von unten anfangen, ein Stück brechen und die Faser herunterziehen. Dieses immer weiter machen, bis der ganze Stängel abgezogen ist. Nun die Fasern noch von Holzresten befreien, ein wenig in der Hand hin und her reiben, damit sich die Fasern voneinander lösen. Breite Streifen noch teilen, bis einigermaßen regelmäßig dünne Fasern herauskommen. Brennnesselfasern sind sehr unterschiedlich lang. Zu Beginn nimmt man zwei bis drei der längsten Fasern, dreht sie etwas zusammen, biegt ein Ende um, so dass es nicht so ausgefranst ist und knotet diese Ende an einen Nagel. Wer hat, kann auch eine Spindel nehmen (siehe letztes Bild). Nun werden die Fäden ineinander versponnen. Man nimmt immer wieder eine Faser hinzu und dreht diesen ein. Den gesponnenen Faden wickelt man um die beiden Nägel. Ich habe so aus einer Brennnessel 230 cm erhalten. Für das Band habe ich den Faden in drei Teile geschnitten, es reichen auch ca. 200 cm für ein Band. Diese Fäden habe ich noch einmal an den Nagel geknotet, weiter verdrillt und dann umgeschlagen und ineinander verdrillt. So habe ich nun drei etwa 30 cm lange Fäden. Diese habe ich zusammen geknotet, noch einmal an den Nagel gehängt und verflochten. Noch eine Perle aufgefädelt, verknotet und fertig! In so einem Band steckt richtig Herzblut, weil es kann auch gut sein, dass man sich an den Holzresten mal pikst und die Hände etwas mitgenommen werden ... Gutes Gelingen!

 

Kalenderblatt September

Mein Septemberbild ist fertig. Ich habe die Brennnessel gewählt, da sie nun besonders üppig wächst und man alle Wachstumsstadien sieht. Sie beugt sich unter der Last der Samen, bekommt Seitentriebe, die wiederum neu blühen. Es wachsen auch junge Pflanzen nach. Durch das feuchte Wetter und weil es nicht mehr so heiß ist, wachsen sie noch weiter in die Höhe und sind saftig grün. Exemplare von über zwei Metern habe ich bei mir schon entdeckt.

 

Uhrenarmband aus Brennnesselfaser

Nachdem mein Uhrarmband sich immer weiter aufgelöst hatte, habe ich schon länger nach einem neuen Ausschau gehalten, jedoch keines gefunden, dass mir gefällt. Als es dann ganz auseinander gefallen ist, habe ich in der Not selbst eines gewebt. Natürlich aus Brennnesselfaser. Als Verschluss habe ich die Schnalle vom alten Armband genommen. Das Band läuft hinter der Uhr entlang, sodass ich nun nicht mehr das kalte Metall auf der Haut spüre. Da Brennnesslfaser sehr viel Feuchtigkeit aufnimmt, dient es zugleich als Schweißband, es ist sehr angenehm. Ich liebe es jetzt schon! Auf dem Bild rechts auch ein neues Freundschaftsband in grün mit roter Perle, das ist aus frischer Brennnesselfaser. Mit Schulkindern habe ich diese Woche ein Ferienprogramm, da möchte ich auch Freundschaftsbänder aus frischen Brennnesseln herstellen.

 

Brennnesselstaub

Schon oft konnte ich beobachten, wie die Pollen der männlichen Brennnesselpflanze bei starker Sonneneinstrahlung explosionsartig versprüht werden. Entweder hatte ich keine Kamera dabei, oder es war nicht sonnig genug, bis ich endlich ein Foto davon machen konnte. Am Fluss gibt es eine gute Stelle, wo die Sonne Mittags auf die Brennnesseln scheint und der Hintergrund sehr dunkel ist. Man muss die Kamera lange halten und ganz schnell abdrücken, eigentlich muss man fast gleichzeitig abdrücken, ahnen, wann es soweit ist, denn der Blütenstaub ist so fein, dass er gleich verschwunden ist. Die Pollenwolken sehen wie Rauchschwaden aus. Zuerst dachte ich schon, da brennt irgend etwas, als viele Brennnesseln ihre Pollen versprüht hatten. Die Brennnessel hat männliche und weibliche Pflanzen, die häufig nicht direkt beieinander wachsen. Die Pollen der männlichen Pflanze platzen regelrecht auf, wenn die Sonne darauf scheint. Die Pollen fliegen durch die Luft und werden mit dem Wind weitergetragen. Bienen interessieren sich nicht für die Brennnessel. Da Brennnesseln bis in den Winter immer wieder nachwachsen, gibt es momentan reife Samen, blühende Pflanzen und auch ganz junge Pflanzen. Rechts noch eine Libelle, die sich gerade auf einem Brennnesselblatt sonnt.

 

Meine Samenbank

Seit ein paar Wochen sammle und trockne ich die Samenstände von Wildpflanzen und auch von ein paar Pflanzen aus meinen auch ziemlich wilden Garten. Ich finde es total spannend, wie unterschiedlich diese aussehen und wie schön. Auf die Idee bin ich gekommen, weil ich bei meinem nächsten Ferienkurs mit Kindern Samenbomben "bauen" möchte. Da wollte ich schauen, was es denn so alles gerade gibt. Weil ich das selbst so spannend finde, habe ich aus alten Buchseiten Origamischachteln gefaltet und bewahre nun die Samen darin auf, ich finde auch immer wieder Neues, die Samenbank wächst noch. Heute habe ich alles fotografiert und denke, jetzt ist es ein schönes Ratespiel: erkennt ihr, von was für Pflanzen die Samenstände sind? 

Hier die Auflösung: 1, Mariendistel, 2 Vogelwicke, 3 Seifenkraut, 4 Schlafmohn, 5 Stockrose, 6 Knoblauchsrauke, 7 Ringelblume, 8 Wiesenbärenklau, 9 Nachtkerze, 10 Rotklee, 11 Akelei, 12 Malve, 13 Wiesenflockenblume, 14 Wilde Möhre, 15 Steinklee, 16 Spitzwegerich, 17 Mädesüß, 18 Baldrian, 19 Odermennig, 20 Nelkenwurz

 

 

Hautpflege direkt von der Wiese

Wiesenlabkraut und Spitzwegerich schätze ich als Hautpflege im Sommer. Der frische Saft bildet einen feinen Film, der die Haut kühlt, Feuchtigkeit spendet und und schön glättet. Die grüne Farbe vergeht nach ein paar Minuten :-) Ich verwende schon seit Jahren keine Sonnencreme mehr, obwohl ich stundenlang draußen in der Sonne bin. Offenbar wirken die Kräuter und meine einfachen Hautpflegesalben, um die Haut zu schützen.  Auch bei Insektenstichen wirkt besonders das Labkraut total gut. Auf den Bildern habe ich einen Bremsenstich mit Labkraut behandelt. Nach ein paar Minuten, war es nur noch ein bisschen rot auf meinem Knie, weh tat es gar nicht mehr. Den Saft kann man ganz einfach aus den Kräutern quetschen. Beim Labkraut einfach eine Handvoll junges Kraut pflücken, zu einer Kugel drücken und in der Hand solange reiben, bis der Saft austritt. Dann auf die Haut geben. Pflanzenreste kann man einfach abstreifen, wenn der Saft auf der Haut getrocknet ist. Beim Spitzwegerich am besten aus 6 bis 9 langen, jungen Blättern einen Knoten machen, dann ebenso in der Hand verreiben, das dauert etwas länger als beim Labkraut. Auch Spitzwegerich ist entzüngungshemmend und hautpflegend. Beide Pflanzen enthalten Kieselsäure zur Hautregeneration, Spitzwegerich zusätzlich Aucubin, das antibiotisch wirkt.

 

Spülen mit Seifenkraut

Das Seifenkraut sieht nicht nur schön aus und duftet gut, sondern, wie der Name schon vermuten lässt, kann es Öl und Fett binden, da es Saponine enthält. Ich schätze es mittlerweile zum Spülen, auch wenn es beim Glas nicht so ganz mit konventionellen Spülmitteln mithalten kann. Aber es ist ein gutes Gefühl mit der Pflanze zu spülen. Dazu nimmt man einfach einen kleinen Strauß des Seifenkrauts in das heiße Spülwasser und zerknubbelt es etwas. Dann nimmt man es in die Hand und benutzt es wie einen Spülschwamm und reibt damit die Speisereste vom Geschirr. Es schäumt nicht, aber ich habe den Eindruck, beim Reiben mit dem Kraut, bindet das Kraut den öligen Film. Es ist auf jeden Fall eine gute Alternative in der Natur, beim Zelten. Es belastet die Umwelt gar nicht und auch den Händen tut es gut. 

 

Brennnesslsamensalz und Nervenaktivierung

Dass das Ernten von Kräutern einen heilsamen Effekt hat, konnte ich bei der Brennnessel wieder direkt und deutlich merken. Ich ernte die Samen immer, wenn sich die Brennnesseln mit ihren Samen geradezu über den Weg beugen, dann erinnere ich mich an das Märchen von Frau Holle, wo die Apfelbäume zum Mädchen sagen "schüttel mich, meine Äpfel sind reif". Absichtlich ernte ich mit kurzen Hosen, denn ich mag das kribbeln der Beine nachher. Gut, man muss etwas aufpassen, es kann auch kurz unangenehm werden, erst brennt und sticht es. Aber dann spürt man jede Zelle pulsieren, es wird warm und lebendig. In diesem Jahr ist mir aufgefallen, dass mein Finger, der zur Hälfte taub war, nun wieder fast genauso empfindsam ist, wie die anderen Finger. Vor über 20 Jahren hatte ich mich unterhalb des Fingers sehr tief geschnitten, sodass ein Nerv durchtrennt war. Beim Ernten war mir schon in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass die taube Seite nach dem Ernten von Brennnesseln anfing zu jucken - ein Anzeichen von einem Heilungsvorgang. Also, auch wenn es anfangs Überwindung kostet, kann ich nur empfehlen, schlecht durchblutete oder gefühlsarme Stellen des Körpers mit Brennnesseln zu berühren. Natürlich muss jeder selbst schauen, wie viel er "aushält". Nun aber weiter zur Samensalzherstellung. Dieses mörsere ich regelmäßig für mich und zum verschenken. Dazu trockne ich die Samen, reibe dann die Samen in der Handfläche aus den Fäden heraus und mörsere diese mit Salz. Ich nehme grobes Steinsalz dazu. Man kann auch feineres Salz nehmen, besonders, wenn man keinen guten Mörser hat, geht das einfacher. Die wertvollen Samen sind dann gut aufgeschlossen, können im Körper besser verwertet werden und es schmeckt sehr gut. Der Geschmack ist leicht nussig. Die getrockneten Samen kann man in einem Glas lagern und das Salz immer frisch herstellen.

 

Die Karde im August

Hier nun mein August-Kalender-Bild. Viele Karden sind ja schon verblüht, aber ich finde, die Karde ist eine ausgespochene Sommerpflanze, erinnert mich an Kakteen und Hitze, damit verbinde ich auch den August. Ich finde die Karde einerseits beruhigend, da man sehr achtsam sein muss, wenn man ihr begegnet oder gar pflücken möchte. Die Stacheln sind wirklich sehr spitz und hart. Andererseits aktiviert sie auch, sie flimmert im Licht, ist ein bisschen wild. Weber nutzen die Kardenköpfe früher zum Aufrauhen von Fasern. Die Stadt Baienfurt im Landkreis Ravensburg trägt die Karde in ihrem Wappen und hat ihr ein Museum und ein Denkmal gewidmet. Speziell angebaute Weberkardeln wurden in diesem Ort verkauft. Auch als starke Bitterpflanze ist die Karde bekannt und hilft der Verdauung, bei Rheuma und bei Hautproblemen. Kardentinkturen und Tee werden auch bei Borreliose-Infektionen angewendet, ihre tonisierende Wirkung hilft dem Immunsystem. Die Blüten sind sehr interessant, denn sie beginnen in der Mitte kreisförmig zu blühen und dann teilt sich der Kranz wandert nach unten und nach oben.

Individueller Kräuterspaziergang

Heute hatte ich meine erste individuelle Kräuterführung. Wie erwartet ist das auch für mich noch schöner und intensiver als die Gruppenführungen. Wir haben nicht nur über Kräuter geredet, ich habe zwei nette Menschen kennengelernt, wie es bei größeren Gruppen nicht so möglich ist. Wir sind zuerst im Murrtal spazieren gegangen und haben uns die vielen Heil- und Nahrungspflanzen angesehen, gesammelt, besondere Merkmale angeschaut, probiert und geschnuppert. Zuhause dann ein einfaches Gericht mit Polenta, Tomatensoße mit Dost und einen Wildkräutersalat zubereitet. Die sechs Stunden waren so schnell vorbei, dass wir die Salbe und Deo nicht mehr fertig machen konnten. Aber mit den Anleitungen dazu, hoffe ich, dass meine beiden Gäste, das auch gut Zuhause hinkriegen. Es war ein sehr schöner Tag für uns drei und der nächste Termin ist schon gebucht. Ich plane meine Wanderungen immer ziemlich genau und mache dann doch vieles anders, mittlerweile finde ich das ok, da es trotzdem sehr schön wird, wenn man sich von dem, was ist, inspirieren lässt. Auf den Fotos: unser Weg an der Murr entlang, Storchenschnabel als Deko für den Salat, beim Breitwegerich haben wir an den Blättern gezogen, heraus kam "Zahnseide". Dann unser Mittagessen mit Wildkräutern. Zum Schluss habe ich die beiden von meinen Origamischächtelchen ziehen lassen. Darin sind Überraschungskräuter ... vielleicht ein Hinweis auf eine besondere Pflanze für den Menschen? Beide waren sehr zufrieden mit ihrer Pflanze: Brennnessel und Baldrian. 

 

vitueller Kräuterspaziergang

Am Sonntag war mein Juli-Kräuterspaziergang. Wir hatten Glück mit dem Wetter, denn es hat nur ein wenig getröpfelt. Am Montag bin ich den Weg noch einmal gegangen, um die Kräuterspaziergang  für den Blog zu fotografieren, da hat mich ein heftiger Regenschauer erwischt, ich war nach einer Minute klatschnass.  Wir waren wieder eine sehr gemischte Gruppe, die meisten wussten schon sehr viel über Pflanzen, dennoch war es für jeden spannend, auch andere Erfahrungen zu hören und vor allen Dingen die Natur direkt zu genießen. Dieser virtuelle Spaziergang kann da nur einen ganz kleinen Eindruck machen. Wir haben ganz viel direkt von der Wiese probiert, geschnuppert und genauer angesehen, das war sehr schön die Eindrücke miteinander auszutauschen und zu erfahren, was man alles mit den Pflanzen machen kann. Zwischendurch gab es eine Mädesüß-Limonade, ein erfrischendes Deo und Hautpflegesalbe von mir zum ausprobieren. Eigentlich wollte ich diesmal mehr Zeit zum Ernten lassen, zumal es nun so viele besondere Pflanzen in großen Mengen gibt: Mädesüß, Baldrian, Dost, Johanniskraut und vieles mehr. Dann fing es aber ein wenig an zu nieseln. Kein gutes Erntewetter. Einen schönen Strauß mit Dost konnten wir aber pflücken. Wir haben dann auch noch wilden Knoblauch entdeckt und probiert. Zum Schluss gab es dann von mir noch ein Karte, wo ich einige Fundorte der Pflanzen markiert habe, außerdem Rezepte und Pflanzenmonografien. Lieben Dank an alle Teilnehmer, es war auch für mich wieder sehr motivierend weiterzumachen.

 

Wilder Majoran (Dost) Ernte

Heute ist es endlich wieder total sonnig. Der Dost (Origanum vulgare) blüht nun und Bienen und Schmetterlinge haben ihn auch entdeckt. Ich habe gleich mal eine ganze Tasche voll gepflückt. Ich werde mir dieses Jahr ein großes Schlafkissen daraus machen. In die Badewanne kommt auch immer mal was und natürlich in die Tomatensoße - lecker! Diesmal hat mich beim Ernten doch glatt eine Biene gestochen, es war wieder voller Bienen, alle anderen waren sehr entspannt. Aber es war gar nicht schlimm, Spitzwegerich konnte ich nicht so schnell finden, da habe ich zerdrücktes Wiesenlabkraut auf den Stich gerieben und es ist nicht einmal angeschwollen.

 

Kalenderblatt Juli

Nun habe ich schon sieben Kalenderblätter fertig. Dadurch, dass ich mir vorgenommen habe, jeden Monat so ein Blatt zu gestalten, beschäftige ich mich dann auch intensiv mit dieser Pflanze. Ich finde es klasse, dass ich selbst immer so viel lerne, wenn ich kreativ arbeite. Die Pflanzen sind dabei ein unendlicher Schatz an Inspiration. Die anderen Kalenderbilder findet ihr in der Galerie unter dem Punkt Kalender.

 

Breitwegerich und Flohsamen

Auf der Wiese sitzend überlegte ich am Mittwoch, welche Pflanzen ich denn auf meiner nächsten Kräuterwanderung behandeln möchte. Es kam die Bitte, besonders die essbaren Wildpflanzen zu zeigen. Da fiel mein Blick auf die vielen Spitz- und Breitwegerich-Samenstände im rötlich schimmerndem Abendlicht. Diese habe ich sogleich probiert und festgestellt, dass diese noch schmackhafter als die Knospen sind. Die vom Spitzwegerich sind besonders lecker. Dann fiel mir wieder ein, dass die momentan als Quell- und Verdauungsmittel beliebten Flohsahmen meist von der sehr nah verwandten Plantago-Pflanze aus Indien (Plantago indica) gekauft werden. Ich habe noch ein bisschen nachgelesen und stelle mal wieder fest, dass wir gar nichts importieren müssen. Unsere Flohsamen können wir genauso gut nehmen, die Ernte ist gar nicht aufwendig, ich finde sogar, man braucht die Samen gar nicht herauszulösen, sollte diese, vom Stängel gestriffen gleich essen. Man kann sie auch so auf Salat geben oder ins Müsli geben. Wenn man sie trocknen lässt, fallen die flohähnlichen, schwarzen Samen heraus, sodass man die enorm quellfähigen Samen verwenden kann. Da der Aufenthalt in der Natur, das Ernten der Wildpflanzen sehr heilsam ist, ist es sicher besser, selbst zu ernten, als die Pflanzen in der Apotheke oder sonstwo zu kaufen. Die Bewegung, die feinen Sinneseindrücke, frische Luft und Ruhe ... all das, brauchen wir so sehr. Mir ist natürlich auch wieder ein besonderes Exemplar unter die Linse gekommen. Ein Wegerichsamenstand ist oben dreigeteilt. Ich finde, durch die Andersartigkeit von manchen Dingen, Pflanzen und Menschen werden unsere Sinne noch einmal besonders aktiviert. Für mich liegt der Schlüssel zur eigenen Entwicklung und somit zur Gesundheit in der Wahrnehmungs- und Empfindsamkeitsschulung - für sich selbst und gegenüber anderen. Mithilfe der Pflanzen gelingt mir das ganz gut. Ich genieße es, so viel zu sehen, spüren, riechen und zu schmecken, mich darauf einzulassen, was um mich herum ist. Vertrauen darauf zu haben, dass es immer Schönes zu entdecken gibt, wenn man nur wachsam ist.

Freundschaftsbänder aus Brennnesselfaser

Ich hatte noch ein paar Reste gefärbter Brennnesselfasern. Diese hatte ich für ein Top (siehe Galerie unten bei Textiles) mit unterschiedlichen Beizen aus Brennnesselkraut in verschiedene Gelb und Olivetöne gefärbt. Daraus habe ich nun weitere Freundschaftsbänder geknüpft. Da die Fäden ziemlich unregelmäßig sind, ist das Knüpfen nicht so einfach, der Faden kann auch mal reißen. Am besten funktioniert der Kreuzknoten und der verdrehte halbe Schlag. Mit einem schönen Stein zusammen wirkt das dann richtig edel, finde ich. Perlen aus Ton, die ich vor einiger Zeit geformt hatte, passen auch sehr gut. Es ist nur etwas schwierig, die Perlen mit einzuknüpfen. Damit die Fasern glatter und haltbarer sind, wachse ich diese. Dazu ziehe ich den Faden durch einen Block aus Bienenwachs.  Ich fühle mich so richtig wohl, wenn ich irgendwas aus Brennnessel trage, ich liebe diese Faser! Ich würde es so gerne schaffen, die Faser selbst in größeren Mengen zu produzieren. Ich werde auf jeden Fall weitermachen, damit zu experimentieren.

 

Brennnesselsteckling der besonderen Art

Dass die Brennnessel mich immer wieder fasziniert, hatte ich glaube schon geschrieben, oder? Ich glaube fast, mein Blog mutiert bald zu einem Brennnesselblog. Also hier das nächste Phänomen. Ich hatte in diesem Jahr ja schon zwei Brennnesseln mit quierförmiger Blattanordnung gefunden und eine davon abgeschnitten und mitgenommen. Diese wollte ich nicht einfach trocknen. Mir ist eingefallen, dass ich einmal einen trockene Brennnesselstängel in eine Blumentopf als Stütze für eine Pflanzen gesteckt hatte und dieser nach einer Weile wieder Blätter trug. Also habe ich meine Brennnesselmutation in einen Pflanztopf mit feuchter Erde gesteckt und zunächst etwas abgestützt, da der Stängel doch etwas schlapp war. Die Blätter sind zuerst vertrocknet, doch der Stängel hatte sich bald wieder aufgerichtet und neue Nebenblätter an den Blattachseln gebildet - drei Austriebe an jeder Blattachse! Sie wächst und gedeiht nun und mal sehen, ob ich über die Wurzel diese Art der Brennnessel vermehren kann. Dann habe ich für meinen Garten wirklich etwas Besonderes.

 

Ferienkurs mit Kindern

In dieser Woche habe ich an zwei Tagen mit Kindern zusammen Pflanzen und Natur erkundet. Überlegt hatte ich mir eine lange Wanderung zur Murr, dabei Pflanzen anschauen, probieren und sammeln, um eine Salbe zuzubereiten und Pflanzenfarben herzustellen. Am ersten Tag musste ich noch ein bisschen schauen, was überhaupt geht, wozu die Kinder auch Lust haben. Für die Salbe haben wir Schafgarbe, Gundermann, Ruprechtskraut, Gänseblümchen, Labkraut und Spitzwegerich gesammelt und später kleingeschnitten. In einem großen Topf habe ich dann 700 ml Olivenöl und 70 g Wachs gegeben und auf 60 Grad erhitzt. Alle Kräuter hineingegeben und warm gehalten. Dazu habe ich noch getrocknete Melissenblätter und Lavendelblüten gegeben, damit es gut riecht. In der Zwischenzeit wurden die gesammelte Blüten und Blätter sortiert, für die Farben kleingeschnitten und mit etwas Wasser im Mörser zerstampft. Dann haben wir die Farbe durch ein Sieb in Gläser gepresst. Das haben wir dann alles erst mal in der Schulküche in den Kühlschrank gestellt. Am nächsten Tag sind wir noch mal losgegangen, aber nicht mehr so weit, wir haben lange an einem Bach gespielt und geschaut, was dort alles wächst und kriecht. Zurück an der Schule, haben wir die Salbe noch einmal warm gemacht, durch ein Tuch die Kräuter abgeseiht und in kleine Gläser gefüllt. Dabei ist Einiges daneben gegangen, das haben wir gleich auf Arme und Beine geschmiert und für gut befunden. Dann kamen weitere Pflanzenfarben dran. Manche Farben wurden noch mit Essig und Natron gemischt, sodass eine kleine Farbpalette zusammenkam. Kleine Bilder oder Farbprobeblätter wurden dann gemalt. Am ersten Tag war ich noch etwas angespannt, da ich gleich gemerkt habe, dass ich mir zu viel vorgenommen hatte und ich auch viel improvisieren musste, da ich weder die Schule noch die Kinder kannte. Die Kinder waren total lieb, die Kleinen kamen manchmal angerannt und wollten Hand in Hand mit mir gehen, sie reden und fragen ganz direkt, z.B. ob ich verliebt bin, was ich gerne essen mag ... Sagen sofort was ihnen gefällt und was nicht. Das ist total schön. Ich wünschte ich wäre auch so unbefangen. Am zweiten Tag hatte ich dann schon alle ins Herz geschlossen und werde das sicher wieder machen. 

Brennnessel Mann und Frau

Die große Brennnessel (Urtica dioica)  ist eine zweihäusige Pflanze, also das heißt, es gibt männliche Pflanzen mit den Blütenpollen und weibliche Pflanzen, die den Samen ausbilden. Die Pflanze war bei den Germanen sowohl dem Gott Thor als Gott des Krieges, Gott des Donners und des Bieres, als auch der Urgöttin Freya, der Göttin für Liebe, Fruchtbarkeit, des Spinnens und Webens zugeordnet. Momentan kann man die beiden gut unterscheiden. Die weiblichen Blüten sind ganz klein, mit weißen, feinen Borsten. Die männlichen Pollen sind gelb, manchmal rötlich-grün und größer. Im Sonnenlicht springen sie auf und die Blütenpollen fliegen durch die Luft zur weiblichen Pflanze. Diese stehen oft viel weiter entfernt, da sich Brennnesseln meist über die Wurzel ausbreiten, sodass an einer Stelle nur männliche und an anderer Stelle nur weibliche Pflanzen stehen. Wenn die Pollen verpulvert sind, bleiben nur die Haare, an denen sie hingen. Die Samen gibt es dann nur an der weiblichen Pflanze. Die sind dann ab Ende Juli soweit. Sehr gesund und sehr lecker. Die weiblichen Blüten stehen zunächst auch noch vom Stängel ab, erst wenn sie schwerer werden und Samen bilden, hängen sie herunter. 

Brennnessel-Glück

In der letzten Zeit habe ich oft Brennnesseln zum Trocknen, Essen und (Haare) färben gesammelt. Dabei habe ich in diesem Jahr schon die zweite Brennnessel mit drei statt zwei Blättern pro Blattachse entdeckt. Ich rede mir ein, dass das Glück bringt. Ich freue mich auf jeden Fall schon riesig, wenn ich so ein Exemplar finde, das ist schon ein großes Glück! Erst beim Ernten fällt auf, das etwas anders bei der Pflanze ist, wie normal. Beim zweiten Bild sieht man, wie sehr Raupen die Brennnessel lieben. Das gibt später viele schöne Schmetterlinge. Ich trinke regelmäßig einen Brennnesselfrischpresssaft, der schmeckt sehr erfrischend und ist ungemein belebend. Heute hatte ich viel davon und habe gerade meine Haare damit getränkt. Das Seihtuch ist schon fast schwarz vom häufigen Durchseihen des Brennnesslsuds. Der Tee hat nur einen leichten Färbeeffekt, mal sehen, wie stark der Saft färbt.

Klatschmohn-Farben

Bei einem meiner längeren Spaziergänge hatte ich eine Stelle mit schönem Klatschmohn entdeckt. Die Blütenblätter fielen schon von vielen Blüten von selbst herab, sodass ich, ohne die Farbpracht zu zerstören, viele Blütenblätter sammeln konnte. Die Farben, die ich daraus quetschen konnte, sind wieder total schön. Spannend auch, wie sich die Farben mit Essig, Natron und dann nach dem Trocknen verändern. Die Blüten beim Bild rechts sollten eigentlich Rot werden, da die Farbe zuerst im nassen Zustand noch leuchtend Rot war. Am nächsten Tag war es dann Blau. Die Blätter sind sooo weich, wenn man diese berührt,so zart wie Kinderhände. Ich trockne sie nun ganz vorsichtig. Mal sehen, vielleicht kommt dann so ein Blütenextrakt in eine Salbe oder Creme.

Farbexperimente mit Pflanzen

Momentan blüht es ja in den schönsten Farben überall. In den Pfingstferien werde ich mit Kindern unter dem Motto "Pflanzen die Alleskönner" einen Kurs machen. Erst spazieren gehen, Pflanzen sammeln und dann etwas draus machen. Kinder sind ja super kreativ, deshalb hatte ich die Idee, Wasserfarben aus Pflanzen herzustellen und dann damit zu malen. Das musste ich natürlich erst mal ausprobieren und bin selbst ganz begeistert, was da alles passiert. Ich habe die Blüten und Blätter gemörsert, etwas Wasser zugefügt, mit einem Tuch abgeseiht und dann für Farbvarianten noch Essig oder Natron beigefügt. Auf den Bildern seht ihr die Ergebnisse. Ein schnelles Bild mit der Farbe der Akeleiblüten habe ich dann auch noch gemacht. Ich werde sicher noch mehr ausprobieren oder besser zusammen mit den Kindern eine Experimentierwerkstatt machen. 

Rotklee-Ernte

Der Rotklee steht jetzt in voller Blüte. Beim Spazierengehen esse ich unterwegs immer ein paar Blüten, Sie schmecken roh sehr gut. Ich verwende Sie auch in Salat und besonders lecker finde ich das Rotklee-Knäckebrot. Hier das Rezept dazu: Etwa eine halbe Schüssel mit abgezupften Rotklee-Blütenflügelchen sammeln (oder ganze Blüten ganz fein hacken). Waschen und noch feucht mit 5 bis 10  EL Dinkelmehl und etwas Salz vermischen. Eventuell noch etwas Wasser zugeben. Auf einem gefetteten Backblech mit der Hand den klebrigen Teig verteilen und gut andrücken. Bei 150  °C etwa 50-60  min backen. Vom Blech lösen und in Stücke brechen. Das Knäckebrot habe ich auch schon mit Brenn­nesselblättern, Beinwell, Wicken gemacht. 

Brennnesselmütze

Brennnesselfaser ist sehr besonders, nicht industriell herstellbar, zumindest nicht so, dass die Fasern erhalten bleiben und ihre wärmeausgleichende Wirkung behalten. Ich verstricke und vernähe Brennnesselfasern aus Nepal, von Hand gewonnen und verarbeitet. Das habe ich auch selbst ausprobiert, es ist sehr aufwendig, ein paar wenige Freundschaftsbänder konnte ich damit flechten. Meine eigene Brennnesslmütze trage ich seit einem Jahr fast ständig. Im Winter eher im Haus, zum Schutz gegen trockene Heizungsluft, in der Sauna, gegen einen zu heißen Kopf, nach dem Haare waschen anstatt Handtuch, im Frühjahr und Herbst bei kühler Luft draußen. Sie wirkt ein bisschen wie Wildseide, ist aber viel "lebendiger". Feucht zieht sie sich zusammen, ist fester, trocken ist sie weich und wird mit der Zeit immer weicher. Ich fühle mich sehr beschützt mit der Mütze, klarer in Gedanken, konzentrierter und finde sie sehr schön. Im Märchen der sechs Schwäne von (Gebrüder Grimm) werden mit Hemden aus Brennnesselfaser sechs als Schwäne verhexte Brüder wieder zu ihrer menschlichen Gestalt zurückverwandelt, ein Symbol dafür, dass die Faser einen zurück auf den Boden bringt, wenn man zusehr "abhebt". Ich stricke immer wieder welche und habe nun eine übrig. Wer möchte auch so eine Mütze, ich gebe sie für 29 Euro ab. Per Kontaktformular könnt ihr so eine Mütze anfragen. Ich stricke auch weitere.

Gedanken zum Fuchsbandwurm und Giftpflanzen

Auf meinen Kräuterwanderungen und auch sonst werde ich manchmal gefragt, wie ich die Gefahr vom Fuchsbandwurm und Giftpflanzen einschätze. Ich hatte dazu länger recherchiert. Also man muss auf jeden Fall keine Angst haben vor Pflanzen. In den letzten 20 Jahren ist nur ein Kind in Deutschland an einer Pflanzenvergiftung gestorben (Eisenhut), in den vergangenen zwei Jahren nur zwei Erwachsene durch Verwechslung von Herbstzeitloser/Bärlauch und Enzian/Germer. Wenn es sonst Vergiftungen gab, war es absichtlich (Suizid oder als Hallozinogen). Im Ärzteblatt war dazu ein interessanter Artikel: http://m.aerzteblatt.de/print/14028.htm. Übrigens war der Begriff "Gift" früher gar nicht negativ besetzt. Das Wort stammt vom altgermanischen "gaf-ti" was "Gabe, Geschenk" bedeutet und noch im Wort "Mitgift" oder im englischen "gift" als "Geschenk" deutlich wird. Giftpflanzen waren früher besonders geschätzt, weil heilkräftig, man musste sich natürlich auskennen! Auch der Fuchsbandwurm verliert an Gefährlichkeit, wenn man sich informiert: Zum Beispiel hier ein relativ aktueller Artikel in der Frankfurter Rundschau http://www.fr.de/wissen/seltene-krankheit-diffuse-angst-vor-dem-fuchsbandwurm-a-1102659. Es wird vermutet, dass nicht der Fuchs, sondern Hunde Überträger des Fuchsbandwurmes sind und es außerdem einen engen Kontakt zum Tier bedarf, dass man sich infiziert. Dass man sich bei der Ernte von Wildkräutern infiziert, ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Es infizieren sich pro Jahr Durchschnittlich 18,2 Menschen in Deutschland, wovon 90 Prozent davon gut geholfen werden kann, von Sterbefällen in den letzten Jahren in Deutschland habe ich nichts gefunden. Zucker und Fast-Food ist da sicher gefährlicher. 

Löwenzahnblütenmarmelade

Es gibt ja so viele Rezepte, was man alles mit Wildkräutern machen kann. Mit dem Löwenzahn war ich etwas spät dran. Die Blüten sammelt man möglichst an einem sonnigen Tag, da hatte ich lange darauf gewartet und dann sind sie ganz schnell auch verblüht. Günsel hatte ich dann auch gleich gesammelt, das wird jetzt unter dem Dach in der Scheune trocknen. Die Blütenblätter werden für die Marmelade alle abgezupft, man braucht etwa 300 g. Dann noch eine Bio-Zitrone, ein Liter Wasser und einen halben Teelöffel Agar-Agar oder 15 g Pektin. Die Blütenblätter mit dem Wasser übergießen, kleingeschnittene Zitrone (Kerne entfernen) dazugeben und 10 min kochen lassen. Über Nacht abgedeckt stehen lassen, dann pürieren und mit Zucker und Geliermittel mischen und noch mal 4 min kochen lassen. Dann in Gläser füllen. Schmeckt süß und etwas nach Honig. Vielleicht findet ihr ja noch Löwenzahnblüten, wenn die Wiesen abgemäht werden, wachsen ja auch wieder welche nach. Ich bin übrigens dabei ein Wildkräuter-Selbstversorger-Vegan-Gesundheits-Handwerksbuch zu schreiben und zu gestalten. Es soll eine Loseblattsammlung werden. Es gibt ja so unendlich viel über Pflanzen, ein gebundenes Buch würde nie fertig werden.

Zweite Kräuterwanderung

Am Sonntag hatte ich meine zweite Kräuterwanderung in diesem Jahr. Den ganzen Vormittag hatte es schon geregnet und auch um 14 Uhr, als es losging, war es grau und nass. Trotzdem hatten sich nur Wenige abschrecken lassen und wir sind mehr oder weniger regenfest losgegangen. Den Weg und Ablauf hatte ich wegen dem Regen etwas verändert und improvisiert. Da am Wüstenbach eine temporäre Quelle über den Wanderpfad fließt, wäre das ohne Gummistiefel zu naß geworden. Eigentlich wollte ich deshalb nur zwei Stunden gehen und dann bei mir Zuhause Kräuterkostproben für alle anbieten. Nach einer Stunde draußen hatte der Regen aufgehört und wir waren dann doch drei Stunden unterwegs. Die Vielfalt im Murrtal ist enorm: Brennnessel, Ehrenpreis, Taubnessel, Gundermann, Günsel, Bachnelkenwurz und Nelkenwurz, Knoblauchsrauke, Rotklee, Schafgarbe, Wiesensalbei, Teufelskralle, Wicke, Hirtentäschelkraut, Giersch, Walderdbeere, Waldmeister, Labkräuter, Ruprechtskraut, Baldrian, Mädesüß, Löwenzahn, Spitzwegerich, Feldsalat, Barbarakraut, Unterschiede von Maiglöckchen und Bärlauch, Sauerampfer und Aronstabblätter und wie man Kerbel erkennt ... wir konnten längst nicht alle Pflanzen anschauen, erfühlen, riechen oder auch probieren. Manches blühte, manches noch nicht. Ich finde es wichtig, die Pflanzen in den verschiedenen Wachstumsphasen anzuschauen. Zu ein paar Wenigen habe ich ausführlicher meine eigenen Erfahrungen und Wissenswertes erzählt. Und auch die Teilnehmer wussten Interessantes zu den Pflanzen. Zum Schluss hatten dann doch einige nasse Füße und sind deshalb nach Hause gegangen. Es gab zum Schluss von mir für alle Blätter mit Rezepten, Kurzmonografien von Pflanzen und eine Karte vom Murrtal mit den Fundstellen der Pflanzen. Zu Dritt sind wir dann noch zu mir, um Aufstriche und Getränke mit Kräutern zu probieren. Ich habe liebe Rückmeldungen bekommen, alle wollen gerne wiederkommen, was natürlich das schönste Lob ist. Für diese Wanderung brauchte ich schon selbst keine Werbung mehr machen und ich hoffe, dass auch die nächste Wanderung durch Weiterempfehlen voll wird. Mir macht es selbst viel Spaß und ich lerne wahrscheinlich durch die Vorbereitung am meisten dabei. Zukünftig werde ich sicher mehr Wanderungen und Kurse anbieten. Danke an alle Teilnehmer!

Besondere Exemplare - Einbeere und Brennnessel

Ich mag das Besondere, Andersartige. Vor kurzem ist mir eine Einbeere (links) mit fünf Blättern begegnet. Ich finde sie besonders schön, normalerweise hat sie ja vier Blätter um die Blüte herum, wie man bei den kleineren Exemplaren drumrum erkennt. Die Einbeere ist übrigens giftig, oder besser gesagt, stark wirksam, es kommt ja bekanntlich immer auf die Dosis an. Früher war es ein Hexen- oder Schamanenkraut: zauberkräftig, aphrodisierend und narkotisierend. Ich habe es allerdings noch nicht ausprobiert. Die Brennnessel rechts mit quirlförmiger Blattanordnung mit drei Blättern, anstatt zwei gegenständiger Blättern hatte ich vor etwa zwei Jahren gefunden, sie war das Vorbild für mein Logo. Für mich Symbol dafür, dass es kein Falsch und Richtig gibt. Alles ist möglich, besonders bei den Pflanzen. Ich finde das macht Mut, Neues zu wagen, auszuprobieren. 

Wiesenkerbel, Schierling oder Kälberkropf?

Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, die Doldenblütler genauer anzusehen. Bei der linken Pflanze war ich mir erst sicher, dass es der gefleckte, sehr giftige Schierling ist, zumal ich mir im Herbst letzten Jahres die Dolden genauer angesehen hatte. Rote Flecken und hohler Stängel sind Merkmale des Schierlings. Der Schierling sollte aber eigentlich nicht behaart sein, ... Da gibt es dann noch den Kälberkropf, mit ganz vielen Arten, der ähnliche Merkmale hat. Also bin ich da nun nicht mehr so sicher und werde in diesem Jahr noch einmal genau hinschauen. Manchmal braucht es wohl Jahre, bis man jemanden wirklich kennt! Rechts aber der blühende Kerbel, die Blätter ganz ähnlich wie der Schierling oder Kälberkropf. Stängel und Blüten aber ganz anders. Also habe ich alles mit mehreren Bestimmungsbüchern versucht herauszufinden. Also links Schierling oder Kälberkropf und rechts der Kerbel. Jetzt bin ich total glücklich, da ich nun ein weiteres Wildkraut für meine Küche verwenden kann. Der Kerbel ist wirklich lecker. Man sollte echt nur essen was man kennt, und kennenlernen kann man jemanden nur persönlich. Die Feinheiten sieht und spürt man nur an der echten Pflanze, Fotos reichen da nicht aus. Wenn man beide nebeneinander hat, sieht und spürt man gleich, wie unterschiedlich sie im Wesen sind: wie sie sich anfühlen, riechen, ... Ich freue mich auf meine Kräuterwanderung am 7.5. Außerdem wachsen ja auch grad Bärlauch und Maiglöckchen. Auch das werden wir uns ansehen und die wirklich deutlichen Unterschiede erkennen. 

P.S.: (7.6.2017) Jetzt blüht die Pflanze und ich konnte noch einmal genau alles begutachten. Die Dolde hat Hüllblättcher und kann deshalb kein Schierling sein. Einseitswendige Hüllchenblätter gibt es auch beim knolligen Kälberkropf, ... manchmal denkt man, man kennt jemanden und dann sowas ;-). Mit den Früchten später, werde ich dann ganz sicher sein, was es ist.