Jetzt spinne ich total

Von den letzten Jahren hatte ich noch ausgekochte Brennnesselfaser unverarbeitet herumliegen. Damals hatte ich das mit dem Spinnen nicht so richtig hinbekommen. Mittlerweile weiß ich, dass ich dazu die Fasern noch besser vorbereiten muss. Also habe ich mir die Fasern noch einmal vorgenommen. Mit ein paar stacheligen Kardenköpfchen, die ich gefunden habe, habe ich die kurzen Fasern heraus gebürstet, alles in eine Richtung gelegt und noch weitere Holzreste entfernt. Wenn man das Faserbündel dann noch auf dem Bein etwas rollt, fällt auch noch so allerhand Kleinzeug heraus und die Fasern werden weicher. Nun habe ich mir meine Holzspindel genommen. Den Anfang mit den Fingern gedreht, diesen Faden an der Spindel verknotet und durch den Haken gezogen. Normalerweise nimmt man beim Spinnen erst einen Leitfaden, aber da man bei der Brennnessel gar nicht einfach den Faden so einziehen kann, habe ich mir das gespart. Aber nun ging es erstaunlich gut. Ein bisschen Drall in den Faden geben, Fasern ansetzen, eindrehen lassen, wieder Drall geben, Fasern ansetzen ... mein Faden wurde erstaunlich regelmäßig und fest. Mit der Zeit, bekomme ich das sicher auch noch besser und schneller hin. Ich mag ja auch die grünen, ungekochten Fasern. Diese sind etwas härter, aber die Farbe ist so schön und es wirkt so lebendig. Das ist auf jeden Fall für Bänder oder Täschchen geeignet. Es ist so spannend, wie aus einem Stängel, weiche Fasern werden. Da werde ich auf jeden Fall weiter experimentieren.